Sonntag, 26. August 2007

Küstenralley in Ecuador

Als ich im schwül-heißen Guayaquil im Südwesten Ecuadors ankam, hatte ich fast schon das Gefühl, daheim zu sein. Sowohl die offenen Menschen und das angenehme Klima haben mir doch am Ende in Chile sehr gefehlt. Daß es so große Mentalitäsunterschiede innerhalb Südamerikas gibt, hatte ich vorher nicht für möglich gehalten, aber Chilenen können definitiv nicht mit Ecuadorianern verglichen werden. Die Hafenstadt Guayaquil nicht so schäbig und heruntergekommen wie oftmals behauptet. Es wurde in den letzten Jahren viel in Straßen, Parks und Gebäudesanierung investiert und gerade die Flusspromenade erstrahlt heute in neuem Glanz. Hier sei aber erwähnt, daß ich von einem Besuch der Slums abgesehen habe, wie das die bekanntesten Reiseführer übereinstimmend empfehlen.

Nachdem ich zwei Tage Nacht- und Tagesleben etwas genauer unter die Lupe genommen hatte, fuhr ich weiter nach Playas, den Hausstrand der Guayaquilenos. Während meines Besuches fanden in diesem kleinen und etwas zersiedelten Stranddorf die Feierlichkeiten zum 18. Gründungstag der Provinz Guyas statt, den Bewohner und Besucher mit bunten Straßenzügen und Kundgebungen begingen. Da es jedoch meistens bedeckt war, ging es schon einen Tag später weiter nach Montanita, das im Reiseführer des Volker Feser als "pazifisches Goa für Low-Budget-Reisende" gepriesen wird. Günstige Preise sucht man allerdings ebenso vergeblich wie Clubs mit halbwegs brauchbarer Musik. Montanita ist an einer bewaldeten Bergkette gelegen und verfügt aus diesem Grund über ein eher tropisches Klima. Generell verfügt Ecuador nicht nur über eine für die kleine Fläche bemerkenswerte Anzahl unterschiedlicher Klimazonen, sondern auch der schnelle Wechsel derselben hat mich immer wieder in Staunen versetzt. Auf einer Strecke von nur 100 Kilometern wechseln Vegetaion, Temeratur und Luftfeuchte nicht selten mehrfach. Am letzten Tag erreichte uns die Nachricht eines Erdbebens der Stärke 7.7 vor der Küste von Peru, woraufhin die Behörden eine Tsunami-Warnung rausgegeben und wir uns in die Berge zurückgezogen haben. Für uns war das falscher Alarm, wie sich später herausstellte; in Peru kostete das Erdbeben .jedoch tragischerweise etliche Menschenleben.

Aufgrund des anhaltend schlechten Wetters entschied ich mich zur Vorgezogenen Weiterreise nach Puerto Lopez. Während schon bei der Anfahrt nach Montanita der Fahrkartenverkäufer während der Fahrt aus unerklärlichen Gründen einen Stofflumpen ins Getriebe gestopft hatte, hielt der Bus nach Puerto Lopez auf offener Strecke an und die drei Besatzungsmitglieder machten sich mit einem viel zu kleinen Achtkantschlüssel am rechten Vorderrad zu schaffen, welches fortan unter besonderer Beobachtung durch einen der Fahrkartenverkäufer stand. Dabei kommt es einem schlechten Scherz gleich, daß auf fast allen Bussen ein Mercedesstern oder ein VW-Logo prangt. Die Walbesichtigung, für die Puerto Lopez bekannt ist (und für sonst auch zu Recht nichts), erfüllte all die spektakulären Ankündigungen des Reisebüros. Die 13 (Männchen) bis 15 (Weibchen) Meter langen Buckelwale wuchten sich in der Balzzeit aus dem Wasser, schnauben aus ihrem Luftloch und plantschen mit Seiten- und Schwanzflosse. Nicht selten sind sie dabei im Paarlauf unterwegs, und ein besonders kräftiges Exemplar konnte ca. 80% seines gesamten Körpers aus dem Wasser stemmen, um sich daraufhin mit lautem Rauschen nach hinten überzuwerfen. Ein sehr neugieriges Päärchen tauchte 5 Meter entfernt vom Boot auf und dann unter diesem hindurch. Komisches Gefühl, hätten diese sanften Riesen doch unsere Nußschale problemlos umwerfen können. Zum Abschied hat uns einer der Meeressäuger mit seiner aus dem Wasser ragenden Schwanzflosse hinterhergewunken.

Meine nächste Station war das eine Busstunde nördlich und in einer trockeneren Klimazone gelegene Manta, so daß ich noch ein paar Tage Strand und Sonne genießen konnte, bevor die Übernachtfahrt nach Quito anstand. Bei meinem ersten Besuch konnte ich weder auf den Teleferico (eine Seilbahn auf 4100 Meter), noch das Mitad del Mundo, das bekannte Äquatordenkmal besuchen. Das holte ich zusammen mit einem Engländer und zwei Australiern nach. Letztere übertrafen sich gegenseitig um Nasenlängen bei der Nasenlänge. Ich habe mir außerdem noch ein Spiel der nationalen Liga A angetan, was ich bitter bereuen sollte: selbst die Presse berichtete am nächsten Tag von dem langweiligsten Spiel seit langem. Vor nicht einmal 7000 Zuschauern bei Nieselregen schoben sich die beiden quitoer Vereine Nacional und Deporte den Ball hin und her. Mein Highlight des Tages hatte ich jedoch schon vor dem Spiel. Ich durfte nämlich einem Reporter von CanalUno, der aussah und dick war wie Diego Maradonna, ein Interview geben. Leider hatte ich am Abend keine Gelegenheit zum Fernsehen.

Von Quito aus bin ich am Montag zu einer Dschungeltour in das Cuyabeno-Naurschutzgebiet aufgebrochen. Warum die Ölkonzerne hier Rückstände aus der Förderung in die Gewässer leiten dürfen, bleibt jedoch ein Geheimnis der als ziemlich korrupt bekannten Regierung Ecuadors. In den vier Tagen sahen wir jede Menge Tiere, einige aus nächster Nähe. Vor allem die Begegnungen mit einer ca. 5 Meter langen Anachonda und einem über 6 Meter langen Schwarzcayman waren etwas ganz besonderes. Beide hatten eine Größe, mit der sie keine natürlichen Feinde mehr fürchten müssen. Dementsprechend gelassen verblieben sie an Ort und Stelle, als wir uns Ihnen jeweils bis auf wenige Zentimeter näherten. Aber auch die Affenmassen (vor allem Kapuziner-, Totenkopf- und Springaffen), im Baum schafende Ameisenbären und jede Menge exotische Vögel und Schmetterlinge sind für das mitteleuropäische Auge nicht alltäglich. Bei einem Nachtrundgang konnten wir Vogel- und Wolfspinnen, Giftfrösche und Minischildkröten, bei einer Angeltour Hundfisch, Katzenfisch, Rote Piranhas und den Gelbrückengarcique beobachten.

Donnerstag, 2. August 2007

Gemeinheiten in Chile

San Pedro de Atamacama
Über den in totaler Einsamkeit gelegenen Grenzposten ging es nach San Pedro de Atacama, jedem Gringoparadies in der Wüste im Norden Chiles. Aus unbekannten Gründen funktionieren hier nicht die gängigen Gesetzte der Märkte, was an den unnatürlich hohen Preisen zu erkennen ist. Kaum angekommen, beschäftigten sich die meisten, mit denen ich gesprochen hatte, schon wieder damit, wie sie schnell wieder verschwinden können. Problematische Angelegenheit, da viele Busse aufgrund öffentlicher Ferien in Chile für mehrere Tage ausgebucht waren. San Pedro erinnert aufgrund der niedrigen Häuser und staubigen Straßen ein wenig an Mexiko. Nachts ist nicht viel geboten, da man die Idylle mit der Einführung von Sperrstunde und Diskoverboten zu erhalten versucht. Mehr als einen halbtägigen Ausflug in die Wüste mit anschließendem Weinumtrunk im Sonnenuntergang haben Murray, Warwick und ich dann auch nicht hinbekommen. Achja, und wir wären fast aus unserem Hotel geschmissen worden; keiner konnte sich jedoch an den genauen Grund erinnern. Nach drei mehr oder weniger langweiligen Tagen fuhr ich nach Calama, dem nächstgelegenen Flughafen, wo ich eine Nacht verbrachte. Außer Bergarbeitern und Prostituierten gab es auch nicht viel zu sehen. Calama verfügt über die größte Tagebaumine der Welt.

Santiago
Mein Flug nach Santiago tags dra
uf verlief ohne Zwischenfall und mit beim Anblick der 1998 von französichen Ingenieuren fertiggestellten Metro, die locker mit dem ÖPNV in Deutschland mithalten kann, wurde ich fast etwas neidisch. Überhaupt erinnert das ganze Straßenbild (Autos, Busse, Straßen- und Gebäudezustand; Kleidung, Haut-, Augen und Haarfarbe der Chilenen) mehr an Spanien als bspw. an Bolivien oder Peru. Leider fehlt den Bewohnern auch die freundliche Offenheit, die mich auf meiner bisherigen Reise immer so beeindruckt hatte. Ich mietete mich in einem Hostal ein, das von 2 bis 6 Uhr zusperrt und dessen Herbergsmutter das Zimmer betritt ohne zu klopfen während man schläft. Grund genug mir etwas neues zu suchen. Mein erster Clubbesuch im vielgelobten Nachtleben von Santiago endete desaströs. In einer unterklassigen Disko mit katastrophaler Musik trank ich mit ein paar Chilenen Bierchen. Gegen 3 Uhr wollten sie mir noch etwas vom Nachtleben zeigen, was sie mehr oder weniger auch taten indem sie mich in einer Seitenstrasse gewaltsam ausraubten. Immerhin konnte ich mein Bargeld verbergen, so daß sie mir lediglich mein (praktisch wertloses) Handy abgenommen haben. Zudem bin ich seitdem mit meinem Jeansloch im Stil der 80er unterwegs.

Valle Navado

Nach 2 Tagen Stadtbesichtigung war ich einen Tag beim Skifahren. Die Liftanlagen entsprechen westeuropäischem Standard von vor 20 Jahren (nur meist langsame Sessler, keine Gondeln), sind aber nicht schlecht. Preise bewegen sich auch auf einem stolzen Niveau: Ausrüstung, Transfer und Tagepass kosteten mich ca. 100 USD. Trotz trübem Wetter waren die Schnee- und Sichtverhältnisse gut als ich zum ersten Mal seit ca. 7 Jahren wieder auf Skiern stand.

Conecpción
Schon einen Tag später saß ich im Zug nach Conceptión, einem Städtchen im Süden Chiles, das
schon so manchem Altnazi oder -stasimitarbeiter Zuflucht gewährt haben dürfte. Natürlich gibt es auch viele freiwillige deutsche Immigranten in Chile, was vor allem die recht gute Backtradition begründet: hier gibt es leckeres Brot, hervorragende Konditorwaren und sogar Zwiebelkuchen, der hier auch so heißt. Klassiker wie Würstel in Blätterteig (Empanadas) sind hier fester Bestandteil meines Speiseplans. Das süße (!) Hühnchenomelette aus dem Ofen habe ich jedoch zur Verwunderung der anderen Restaurantgäste nach 2 Löffeln verschmäht. Die bittere Kälte des chilenischen Winters bekam ich auch hier zu spüren, zudem wurde meine Kamera, die ich erst in Ecuador gekauft hatte, aus meinem abgesperrten Zimmer entwendet. Richtig begeistern konnte mich Concepción also nicht, wenngleich es in der Nähe einen schönen Hafen und einige interessante Plätze gibt. Insofern werden Fotos in meinen weiteren Posts Mangelware sein - sorry.

Valparaíso und Vina Del Mar Die UNESCO Weltkulturerbestadt Valparaíso hat wirklich Charme, auch wenn man, wie ich, im Winter daherkommt. Sofern die Sonne scheint, ist es sogar einigermaßen warm und die vielen kleinen Häuschen, die in Architektur und Farbgebung alles Unikate sind, geben eine schöne Aussicht, wo immer man sich befindet. Sie ziehen sich entlang des ganzen Hanges, der die Meeresbucht umgibt. In dieser Bucht ankern Militärschiffe der Chilenischen Marine; in dieser malerischen Umgebung verlieren sie jedoch ihre Bedrohlichkeit fast vollständig. Man hat fast den Eindruck, sie ergötzen sich ebenfalls an der Idylle. Und die Kulisse bei einem Spaziergang entlang der Hochstraße Av. Aleman ändert sich aufgrund verschiedener Lichtverhälnisse ständig.
Das örtliche Gefängnis, das bis in
die 80er Jahre mit seiner eigentliche Bestimmung betrieben wurde, dient heute als Kultur- und Begegnungsstätte. Über das Gelände verstreute
Skulpturen der Kunststudenten (Valparaíso hat eine bedeutende Kunstfakultät) und Wandgemälde können nicht verhindern, daß einen im ehemaligen Hof für Freigänge und den Zellenanlagen etwas mulmig zumute ist. Diese emotionale Diskrepanz freilich ist nicht unbeabsichtigt, ist doch das Motte, aus altem das Neue zu schaffen.
Vino del Mar ist in wenigen Minuten bequem per Stadtbahn zu erreichen. Die Strandpromenade ist sehr schön, wenngleich die vielen modernen Hotels die Sicht auf die eigentliche Stadt versperren. Dennoch hat mich dieses Ausflugsziel für in- und ausländische Touristen inspiriert und so musste ich
gleich zwei Zeichnungen anfertigen. Nachdem ich in einem Schweizer Restaurant den halben Hotdog, der viel zu hoch aufgeladen war, auf dem Boden verteilt hatte, ging es auch schon wieder zurück nach Santiago.

Meine letzten beiden Tage verbrachte ich bei Nieselregen und eisiger Kälte mit einem Winzerei- und einem Stadionbesuch. Ich als Weissweinfan war zwar in der falschen Winzerei; im Vina Concha y Toro wird nur rote Traube angebaut. Die beiden servierten Weine waren trotzdem nicht schlecht (Casillero Del Diabolo und Don Melchor, vielleicht kennt sie jemand). Vor allem die Geschichte des Namen Casillero Del Diabolo (Regal des Te
ufels) ist interessant. Im 19 . Jahrhundert hatten Unbekannte Wein aus den Katakoben geklaut, so streute der Winzer das Gerücht, der Teufel lebe in den Gewölben. Der Schwund ging zurück, aber der Mythos blieb.
Der Fußball beim Spiel von Colo Colo gegen einen
bolivianischen Club war ebenso schlecht wie das Stadion und das Wetter. Dennoch sangen die knapp 10.000 Zuschauer ununterbrochen und wurden letztendlich mit dem Weiterkommen ihres Clubs belohnt. Aus Bolivien waren übrigens nur ca. 12 Zuschauer angereist.

PS: Einige Fotos hab ich mir von YouTube "ausgeliehen", da ich ja keine Kamera mehr habe.

Montag, 23. Juli 2007

Bolivien

La Paz
Von den schwimmenden Inseln ging es per Bus weiter nach La Paz, Bolivien und mit 3500 Metern höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Den ersten Teil der Reise mussten wir, meine drei amerikanischen Freundinnen und ich, auf Minihockern im Mittelgang des Busses verbringen, weil der Bus hoffnungslos überbucht war. Umsteigen in Copacabana in Bolivien (nicht zu verwechseln mit dem in Kuba) wo ich zufälligerweise direkt neben den beiden Südafrikanern Murray und Warwick saß, mit denen ich Wochen zuvor in Banos, Ecuador gefeiert hatte. Kaum zu glauben, aber eine glückliche Fügung, wie sich die nächsten Tage herausstellen sollte. In La Paz angekommen verrachte ich erstmal ein paar Tage in Ruhe, um meine Bronchitis loszuwerden, während die anderen bereits am nächsten Tag die Dead-Road-Tour absolvierten, die angeblich gefährlichste Downhill-Mountainbikestrecke der Welt. Jedermann war begeistert.
La Paz mit Quito zu vergleichen liegt aufgrund der Höhen- und geografischen Lage auf der Hand, beide sind weit oberhab des Zugspitzenniveaus angesiedelt (2800/3600 m) und haben eine Schlauchform, da sie in einem Hochtal liegen. Damit würde man aber keinem der Städte gerecht werden. Während Quito ein vergleichsweise gutes ÖPNV-System hat, überwiegend in Betonfarben erstrahlt und ein bemerkenswert großes Kolonialviertel aufweist, versinkt La Paz im Verkehrschaos, ist überwiegend in backsteinrot gehalten und hat kaum nennenswerte historische Gebäudebestände. Das ganze Stadtbild Quitos ist westlich-modern gehalten, es sind kaum Trachten zu sehen, was im kompletten Gegensatz zu La Paz steht, wo vor allem die Frauen überwiegend andische Kleidung tragen - und nicht selten ihre Babys auf dem Rücken. Die Sicherheitslage in La Paz ist wesentlich besser, während man im Nightlife nur auf andere Rucksackler trifft. Quitos Nachtleben hingegen ist da wesentlich heterogener, wenngleich grundsätzlich teurer.
In La Paz habe ich mit das bisher beste Essen gefunden, wenn man von der hervorragenden Verpflegung auf den Galapagosinseln absieht... und das ausgerechnet in einer englischen Kneipe. Schwer vorstellbar, aber wahr. Oliver's Travel war zugleich auch unser Ausgangspunkt für Clubs etc. und geendet haben diese Abende ausnahmslos im Vivian's, einem 24/7-Club ohne staatlich Zulassung, in dem das Gramm Kokain nur soviel kostet wie zwei Bier (ca. 10 USD). Ich hab trotzdem die Finger davon gelassen, während sich meine 3 Mädels "entjungfert" haben.

Am Montag, 16.7. war Stadtjubiläum und ich konnte riesige Militärparaden beobachten, die leider gelegentlich von herumrennenden Passanten gestört wurden, weil keiner daran gedacht hatte, Absperrungen aufzustellen. Bei strahlendem (und somit gefährlich strengem) Sonnenschein jubelten die Bolivianer ihrem scheinbar, wie ich aus einigen Gesprächen heraushören konnte, sehr populären Präsidenten zu, Am letzten Tag meines 8-tägigen La Paz Aufenthaltes bin ich auf den 5300 Meter hoch gelegenen Chacaltaya gefahren, wo wir einen 1stüdigen Anstieg auf den Gipfel zu absolvieren hatten. In dieser Höhe anstrengender als ein Hamburg-Wochenden mit den üblichen Verdächtigen.


Uyuni - Salar
Nach 8 Tagen in La Paz ging es im Nachtbus nach Uyuni zum mit 12000 km² größten Salzsee der Welt. Der Salar, gelegen auf ca. 4000 Höhenmetern, hüllt sich gerade nachts in eisige Kälte. Murray, Warwick und ich hatten zusammen mit James und Majam aus England eine Tour in einem Toyota Landcruiser. Zunächst besuchten wir einen Bahnfriedhof, auf dem verschiedene Dampflokomitiven vor sich hinrosten. Die Strecke hat ihre besten Zeiten, als noch mehr Kupfer abgebaut wurde, jedoch hinter sich. Personenzüge verkehren zweimal wöchentlich, Gütertransporte nur noch sporadisch. Neben einem inaktiven Vulkan, den in bienenkorbförmigen Mustern gehaltenen Salzplatten, riesigen Kakteen konnten wir auch einige Leichen aus der Pre-Inka-Zeit sehen. Diese wurden durch die extrem trockene und salzhaltige Luft bis zum heutigen Tage gut konserviert, wie man auf dem Foto erkennen kann. Traditionell bolivianisches Essen rundeten den Trip ab, wobei ich nicht ganz verstanden habe, warum der große Salzsee nicht verwendet wird, um das Essen etwas schmackhafter zu gestalten. Naja, so ein Lamasteak kann man auch jederzeit selbst nachsalzen. Übrigens haben die hier derzeit eine Mehlkrise, weil sie ihre Felder alle zum Kokaanbau verwenden und das Mehl importieren müssen. Auch die Geysiere etwas weiter im Süden sowie die ständig wechselnden Landschaften - totale einöde, Kakteen, Gestrüpp in unterschiedlichen Farbeffekten, je nach Tageszeit - sind für das mitteleuropäische Auge ungewohnt und versetzen die Reisegruppe immer wieder in Staunen.

Freitag, 13. Juli 2007

PERU: Chiclayo, Machu Picchu, Titicaca

An Schlaf war neben dem dicken und fortwährend blähenden Mann auf der 7stündigen Nachfahrt nach Piura, Peru nicht zu denken. Während ich mit den Aus- und Einreisemodalitätn beschäftigt war, machte er es sich auf meiner Jacke bequem...Piura war nicht der Weisheit letzter Schluß, was auch auf Chiclayo zutraf: diese Stadt ist zwar nicht schön, dafür aber unwahrscheinlich laut. Wenigstens konnte ich auf einem verwinkelten Markt lustwandeln, wo der "Fluch der Karibik" für USD 1,50 feilgeboten wurde. Apropos USD: von einem ATM in Quito habe ich ein 20USD-Blüte erhalten.Am 4.7. flog ich ins sehr schöne Cusco, wo ich die drei Amerikanischen Mädels wiedergetroffen habe, mit denen ich 4 Tage das Schiff auf Galapagos geteilt habe. Natürlich ist der Besuch der Inkastadt Machu Picchu ein Plichttermin für Perureisende, und für mich als Eisenbahnfreund war die 2stündige Anfahrt in einer alten Dieselgurke der Perurail nicht minder aufregend. Machu Picchu liegt auf ca. 2400 Metern eingebettet in einer Gipfelformation und ist die jüngste und zugleich besterhaltene Inkastadt der Welt. Erst im 20 Jahrhundert wurde die Stadt wiederentdeckt - der Grund, warum sie nach der spanischen Eroberung nicht zerstört wurde. Erst kürzlich wurde Machu Picchu zu einem der "Neuen 7 Weltwunder" gewählt, zu dessen Verkündung ich an den Feierlichkeiten in Cusco teilnehmen durfte. Ich persönlich hege jedoch meine Zweifel an der Berechtigung der Wahl (www.n7w.com), da nicht klar ist, wer hinter der Wahl steht. Zudem stellt sich mir die Frage, wer zum Handeln in eine Stadt in dieser abgeschiedenen Lage gekommen wäre. Ich jedenfalls nicht.In Puno am Titicaca, einem gigantischen Süßwassersee, der auf 3810 Metern teils in Peru, teils in Bolivien liegt und die 13fache Größe des Bodensees hat, hat es wieder mal geregnet und es war bitterkalt, als wir ankamen. Meiner Bronchitis hat das gar nicht gefallen. Der Besuch der Uros, die auf schwimmenden Schilfinseln *im* See leben, war interessant. Allerdings konnten auch die farbenfrohen Trachten und die freundliche Offenheit der Bewohner nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieses Völkchen heutzutage nur noch dem Tourismus zuliebe im See lebt. Auf der Insel waren nur sehr alte oder sehr junge Bewohner anzutreffen, da Teenager und Twens in Puno studieren oder arbeiten.

Sonntag, 1. Juli 2007

ECUADOR: Süden

Die bereits lange mit meiner Schulbekanntschaft Nadja geplante Ecuadorrundreise konnte also am 25.6. endlich beginnen, Silvia (ebenfalls aus Deutschland) leistete uns Gesellschaft. In der "Sierra", jene tektonische Gebirgskette, die sich von Norden nach Süden durch Ecuador zieht, hatte schon am ersten Tag eine Überraschung für uns parat: durch Erdrutsche war das kleine Touristendörfchen Banos nur über einen eineinhalbstündigen Fußmarsch mit sämtlichem Gepäck erreichbar. Wir entschieden uns kurzfristig zu einem Besuch des äußerst unattraktiven Städtchens Ambato. Einziger Höhepunkt war der Kauf billiger Lederjacken, was für sich spricht.Mehr Glück, vor allem mit dem Wetter, hatten wir beim Besuch von Cuenca, einer charmanten und vergleichsweise ruhigen Bezirkshauptstadt mit jeder Menge sehr gut erhaltenen kolonialen Bauten. Hier sind vor allem die zwei Kathedralen (catedral viejo, catedral nuevo) zu nennen. Hier haben sich aus Budget- und Sicherheitsfragen auch meine Pläne zum Besuch der Copa Americá in Venezuela zerschlagen. Besser so: Ecuador ohnehin ist mit 0 Punkten vorzeitig ausgeschieden. Ausgerechnet in Ceuna habe ich übrigens den ersten recht guten Elektro-Club gefunden, was gebührend zu feiern war.Die Mädels sind Richtung Ostküste weitergefahren, während mich mein Richtung Peru im Süden führte. Im eiskalten Saraguro fanden sich leider nur jede Menge Schnapsleichen in den Straßen, was keinesfalls zum Verweilen einlud. Auch Loja war an Langeweile nur schwer zu überbieten, was die Handvoll lokaler Studenten so nicht bestätigen wollte. Kein Wunder: sie kamen alle ursprünglich aus Zapatillo, das in meinem umfangreichen Reiseführer keinerlei Erwähnung fand. Auch in dieser Frage sind die Meinungen also relativ.

Mittwoch, 20. Juni 2007

ECUADOR, Galapagos y mas

Der wesentlichste Teil meiner Reise seit meiner letzten Mail war sicherlich der Besuch der Galapagos-Inseln. Dieses erstaunliche Beispiel für die Evolutionstheroie bietet auf jeder der mehreren Inseln, die alle aus Unterwasservulkanen entstanden sind und aufgrund der Kontinentalplattenbewegungen irgendwann unter der Südamerikanischen Kontinentalplatte versinken werden, eine einzigartige Tier- und Pflanzanwelt. So hat jede Insel ihre eigene Leguanart, die ihre Farbe auf die jeweilige Umgebung angepasst haben, z. B. schwarzes Vulkangestein oder graue trockene Baumlandschaften. Ihre Größe hingegen hängt von der Futterverfügbarkeit ab. Ebenso die Kakteen: auf den Inseln mit Leguan- und Schildkrötenbevölkerung sind sie wesentlich höher, auf daß man ihnen nicht die Blätter klaue. Interessant sind auch die Theorien, wie die Tiere auf die Inseln kamen. Während Seevögel und Meeresbewohner naturgemäß kein Problem hatten, die gut 5000 km zurückzulegen, haben sich Leguane mutmaßlich zum Übersetzen an einem Stück Treibholz festgehalten.35% der Tier- und 40% der Pflanzenwelt auf Galapagos ist endemisch, d. h. sie leben nirgends sonst auf der Erde vor. Die Tierarten sind alle hochspezialisiert und können so überleben. Der Fregattvogel beispielsweise ist groß, aber immer noch sehr wendig und verfügt über einen enterhakenähnlichen Schnabel, mit dem er anderen Vogeln die Beute wegnehmen kann. Dieser "Luftpirat" verfügt nämlich nicht über wasserabweisendes Gefieder und kann daher nicht selbst fischen gehen. Dieses Schauspiel konnte ich einige Male beobachten. Mein Lieblingsvogel ist jedoch der mit 4,5 Metern größte Vogel auf Galapagos, der Albatros, der einen "Flughafen" zum starten braucht, z. B. einen Felsvorsprung, und dessen Landemanöver viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich konnte einen Albatros beobachten, der 12 Landeanflüge benötigte und jedes Mal zu schnell war, bis er dann mehr oder weniger unkontrolliert in die Büsche krachte.Auch der Blaufusstölpel hat einen gewissen Charme, vor allem in der Balzzeit. Das Männchen tanzt mit seinen Y-Flossen eine Art Twist und stellt seine Flügel auf. Wenn ein Weibchen reagiert, sucht das Männchen kleine Steine und Zweige als Geschenk, um seine Qualitäten als Nestarchitekt nachzuweisen. Nach 8 bis 12 Geschenken darf er dann endlich ran. Tölpel (Blaufuß-, Rotfuß-, Nascal-/endemisch) sind seriell monogam, so daß ich dieses Schauspiel Jahr für Jahr wiederholt.Die Unterwasserwelt ließ sich mit dem Schnorchel nur bedingt erforschen, allerdings gab es auch hier prächtige Farbenspiele. Die 35cm kleinen Galapagos-Pinguine, Wasserschildkröten, riesige Mantarochen und kleinere Haie haben sich wunderbar mit den vielen bunten Fischen und Korallen gemischt. Der größte Spaß waren aber die Schnorchelexkursionen, bei denen wir mit den Seelöwen-Jungen spielen konnten. Es ist strikt untersagt, die Tiere anzufassen, deswegen sind sie auch so unglaublich zutraulich. Die Jungen haben mich immer mit ihren großen schwarzen Augen angeschaut, und als ich bis auf 20cm hingeschwommen war, sind sie mit zwei drei Salti weggeschwommen und haben wieder auf mich gewartet. Die sind so verspielt, daß sie sogar mit den Luftblasen spielen, die aus dem Schnorchel kommen.Daß der Tod zum Leben gehört, veranschaulicht das beiliegende Foto vom halb verwesenen Leguan. Wir haben auch junge Seelöwen gesehen, die ihre Mutter verloren haben, sei es durch einen Unfall oder weil man sich einfach nicht mehr gefunden hat. Diese sind dem Tode geweiht; die Verwaltung des Nationalparkes wird hier nicht in die Naturgesetze eingreifen. UNESCO hat kürzlich einen sehr kritischen Bericht herausgegeben, weswegen bereits 2 Divingspots geschlossen wurden und weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Tourismus erwartet werden. Grundsätzlich kann man aber sagen, daß die Bewohner der Insel ein für ecuadorianische Verhälnisse äußerst sensibles Verhälnis zur Natur aufgebaut haben. Das größte Problem derzeit sind durch Menschen etablierte Tiere, vor allem Ratten, Katzen, Fliegen, Ameisen und allen voran Ziegen. In einer 4 Jahre dauernden Aktionen wurden 80.000 Exemplare auf Sata Cruz ausgerottet, derzeit läuft ein 6-Jahres-Programm zur Ausrottung der 200.000 Ziegen auf der Insel Isabella. Die Ziegen zertampeln die Landschaft und entziehen den vegetarischen Tierarten (z. B. Schildkröten) durch die Abweidung sämtlicher Grünpflanzen die Lebensgrundlage.Insgesamt war ich 8 Tage auf einem sehr guten Boot, der "Monzerrat II", mit ausreichendem und hervorragendem Essen. Die Zeit mit den 16 Mitreisenden und 9 Besatzungsmitgliedern war sehr angenehm. Im Anschluß konnte ich noch 6 Tage auf Santa Cruz im touristisch relativ gut erschlossenen Puerto Ayora verbringen.Dieses Wochenende sind ein paar Bekannte von der Schule und ich nach Otavalo gefahren, wo es einen der bekanntesten und größten Märkte Ecuadors gibt, auf dem jede Menge Geschenkartikel und Souvenirs feilgeboten werden. Hierher muß ich vor meinem Rückflug am 7.9. nochmals zurückkehren. Jetzt habe ich noch ein paar Tage in Quito. Leider muß ich sagen, daß die Stadt relativ langweilig ist, und das Wetter ist furchtbar. Recht kalt und gerade nachts meistens regnerisch. Das Klima in der Küstenregion ist da schon viel besser; vielleicht plane ich dort noch 1-2 Wochen ein. Auch die Menschen sind sehr unterschiedlich: im vulkanischen Gebirgskamm habe ich zwar viele nette, aber etwas zurückhaltendere Menschen kennengelernt, während die Küstenbewohner zwar offener, aber auch etwas unverbindlicher sind. Ich bin mal gespannt, wie es im Dschungel ("Oriente") ist. Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, waren jedenfalls begeistert. Ich werde am Ende meines Trips dorthin gehen.

Freitag, 1. Juni 2007

MEXIKO: Playa del Carmen; ECUADOR: Quito



nach 5 wochen in mexiko und knapp 4 wochen in quito/ecuador komme ich endlich mal dazu, eine kurze mail und ein paar fotos zu senden. ist etwas spät und erklärt sich vor allem damit, daß ich in den letzten 8 wochen fleißig spanisch gelernt habe - morgen ist mein letzter tag in der schule.besonders viel habe ich aus eben diesem grund auch nicht erlebt: in mexiko war ich fast immer am strand, fast permanente 35° fordern ihren tribut. im prinzip bin ich mir wie auf gran canaria vorgekommen, nur mit dem unterschied, daß deutsche in playa del carmen (südl. von cancun auf der yucatan halbinsel) herzlich willkommen sind - dany und bastl können das bestätigen. die stadt hat sich allerdings seit meinem letzten besuch 2002 merklich verändert, alles ist viel größer und professioneller geworden, und die amerikanischen ketten haben einzug gehalten. es gibt an der strandpromenade 5 hägen-dasz, und wenn man einen blick auf die vielen amerikaner wirft, die auf und ab rollen, weiß man auch, wer das viele eis konsumiert. übrigens sind auch viele übergewichtige mexikaner anzutreffen. das gerücht, daß die mexikanischen mädels dick und häßlich sind, kann ich allerdings keinesfalls bestätigen. playa ist auch ein beliebtes reiseziel für mexikaner (z.B. mexiko stadt) und argentinier. wie gesagt, viel habe ich nicht gemacht, außer einen ausflug in ein naturreservat, in dem ich mich mit schlamm bedeckt habe (s. foto) und einen ausflug an einen einsamen strand ("pa mul" südl. von tulum, auch foto anbei).meine erste amtshandlung in quito war die vernichtung meines "rokh", insofern werde ich mich hier nicht weiter mit eve-online auseinandersetzen. die schule hier ist wesentlich professioneller und ich hatte auch 30 stunden/woche (in mexiko nur 20h/woche). lehrer und mitschüler sind alle sehr nett und das nightlife in quito ebenfalls, wenn man auf 4-5 jahre alte musik und salsa steht. fairerweise muss man jedoch sagen, daß wir nur im touristenviertel unterwegs waren. quito hat sicher auch "richtige" clubs zu bieten, schließlich leben hier 2.3 millionen leute auf 2800 m höhe. empfehlenswert ist ein besuch dieser clubs aufgrund der sicherheitslage hier allerdings nicht. letzte woche haben wir einen ausflug nac atacamas gemacht, was südl. von esmeraldas liegt. der strand kann bei weitem nicht mit dem in mexiko mithalten; hier ist die ecuadorianische ölindustrie doch deutlich zu spüren. das wetter war auch eher durchwachsen. aber die gute party und eine LKS beim "Der alte Fritz" (hotel aleman) haben das wettgemacht. außerdem war ich am flughafen, der *mitten* in der stadt liegt, und habe ein paar filme gemacht - leider zu groß zum schicken. da ist man ca. 100 meter hinter den startenden und ca. 50 meter unter den landenden flugzeugen. so 'ne 747 macht ganz schönen krach! morgen fahre ich nach banos, einem kleinen dorf zum chillen, sporteln oder feiern. ich sag mal so: ich will dort chillen (vulkantermen und massage) aber manchmal läßt sich ein rausch einfach nicht verhindern. danach habe ich einen 12 tage trip auf die galapagos gebucht, bevor ich 2,5 wochen durch ecuador tingel ... ich meld mich dann