Mittwoch, 20. Juni 2007

ECUADOR, Galapagos y mas

Der wesentlichste Teil meiner Reise seit meiner letzten Mail war sicherlich der Besuch der Galapagos-Inseln. Dieses erstaunliche Beispiel für die Evolutionstheroie bietet auf jeder der mehreren Inseln, die alle aus Unterwasservulkanen entstanden sind und aufgrund der Kontinentalplattenbewegungen irgendwann unter der Südamerikanischen Kontinentalplatte versinken werden, eine einzigartige Tier- und Pflanzanwelt. So hat jede Insel ihre eigene Leguanart, die ihre Farbe auf die jeweilige Umgebung angepasst haben, z. B. schwarzes Vulkangestein oder graue trockene Baumlandschaften. Ihre Größe hingegen hängt von der Futterverfügbarkeit ab. Ebenso die Kakteen: auf den Inseln mit Leguan- und Schildkrötenbevölkerung sind sie wesentlich höher, auf daß man ihnen nicht die Blätter klaue. Interessant sind auch die Theorien, wie die Tiere auf die Inseln kamen. Während Seevögel und Meeresbewohner naturgemäß kein Problem hatten, die gut 5000 km zurückzulegen, haben sich Leguane mutmaßlich zum Übersetzen an einem Stück Treibholz festgehalten.35% der Tier- und 40% der Pflanzenwelt auf Galapagos ist endemisch, d. h. sie leben nirgends sonst auf der Erde vor. Die Tierarten sind alle hochspezialisiert und können so überleben. Der Fregattvogel beispielsweise ist groß, aber immer noch sehr wendig und verfügt über einen enterhakenähnlichen Schnabel, mit dem er anderen Vogeln die Beute wegnehmen kann. Dieser "Luftpirat" verfügt nämlich nicht über wasserabweisendes Gefieder und kann daher nicht selbst fischen gehen. Dieses Schauspiel konnte ich einige Male beobachten. Mein Lieblingsvogel ist jedoch der mit 4,5 Metern größte Vogel auf Galapagos, der Albatros, der einen "Flughafen" zum starten braucht, z. B. einen Felsvorsprung, und dessen Landemanöver viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich konnte einen Albatros beobachten, der 12 Landeanflüge benötigte und jedes Mal zu schnell war, bis er dann mehr oder weniger unkontrolliert in die Büsche krachte.Auch der Blaufusstölpel hat einen gewissen Charme, vor allem in der Balzzeit. Das Männchen tanzt mit seinen Y-Flossen eine Art Twist und stellt seine Flügel auf. Wenn ein Weibchen reagiert, sucht das Männchen kleine Steine und Zweige als Geschenk, um seine Qualitäten als Nestarchitekt nachzuweisen. Nach 8 bis 12 Geschenken darf er dann endlich ran. Tölpel (Blaufuß-, Rotfuß-, Nascal-/endemisch) sind seriell monogam, so daß ich dieses Schauspiel Jahr für Jahr wiederholt.Die Unterwasserwelt ließ sich mit dem Schnorchel nur bedingt erforschen, allerdings gab es auch hier prächtige Farbenspiele. Die 35cm kleinen Galapagos-Pinguine, Wasserschildkröten, riesige Mantarochen und kleinere Haie haben sich wunderbar mit den vielen bunten Fischen und Korallen gemischt. Der größte Spaß waren aber die Schnorchelexkursionen, bei denen wir mit den Seelöwen-Jungen spielen konnten. Es ist strikt untersagt, die Tiere anzufassen, deswegen sind sie auch so unglaublich zutraulich. Die Jungen haben mich immer mit ihren großen schwarzen Augen angeschaut, und als ich bis auf 20cm hingeschwommen war, sind sie mit zwei drei Salti weggeschwommen und haben wieder auf mich gewartet. Die sind so verspielt, daß sie sogar mit den Luftblasen spielen, die aus dem Schnorchel kommen.Daß der Tod zum Leben gehört, veranschaulicht das beiliegende Foto vom halb verwesenen Leguan. Wir haben auch junge Seelöwen gesehen, die ihre Mutter verloren haben, sei es durch einen Unfall oder weil man sich einfach nicht mehr gefunden hat. Diese sind dem Tode geweiht; die Verwaltung des Nationalparkes wird hier nicht in die Naturgesetze eingreifen. UNESCO hat kürzlich einen sehr kritischen Bericht herausgegeben, weswegen bereits 2 Divingspots geschlossen wurden und weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Tourismus erwartet werden. Grundsätzlich kann man aber sagen, daß die Bewohner der Insel ein für ecuadorianische Verhälnisse äußerst sensibles Verhälnis zur Natur aufgebaut haben. Das größte Problem derzeit sind durch Menschen etablierte Tiere, vor allem Ratten, Katzen, Fliegen, Ameisen und allen voran Ziegen. In einer 4 Jahre dauernden Aktionen wurden 80.000 Exemplare auf Sata Cruz ausgerottet, derzeit läuft ein 6-Jahres-Programm zur Ausrottung der 200.000 Ziegen auf der Insel Isabella. Die Ziegen zertampeln die Landschaft und entziehen den vegetarischen Tierarten (z. B. Schildkröten) durch die Abweidung sämtlicher Grünpflanzen die Lebensgrundlage.Insgesamt war ich 8 Tage auf einem sehr guten Boot, der "Monzerrat II", mit ausreichendem und hervorragendem Essen. Die Zeit mit den 16 Mitreisenden und 9 Besatzungsmitgliedern war sehr angenehm. Im Anschluß konnte ich noch 6 Tage auf Santa Cruz im touristisch relativ gut erschlossenen Puerto Ayora verbringen.Dieses Wochenende sind ein paar Bekannte von der Schule und ich nach Otavalo gefahren, wo es einen der bekanntesten und größten Märkte Ecuadors gibt, auf dem jede Menge Geschenkartikel und Souvenirs feilgeboten werden. Hierher muß ich vor meinem Rückflug am 7.9. nochmals zurückkehren. Jetzt habe ich noch ein paar Tage in Quito. Leider muß ich sagen, daß die Stadt relativ langweilig ist, und das Wetter ist furchtbar. Recht kalt und gerade nachts meistens regnerisch. Das Klima in der Küstenregion ist da schon viel besser; vielleicht plane ich dort noch 1-2 Wochen ein. Auch die Menschen sind sehr unterschiedlich: im vulkanischen Gebirgskamm habe ich zwar viele nette, aber etwas zurückhaltendere Menschen kennengelernt, während die Küstenbewohner zwar offener, aber auch etwas unverbindlicher sind. Ich bin mal gespannt, wie es im Dschungel ("Oriente") ist. Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, waren jedenfalls begeistert. Ich werde am Ende meines Trips dorthin gehen.

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