Montag, 23. Juli 2007

Bolivien

La Paz
Von den schwimmenden Inseln ging es per Bus weiter nach La Paz, Bolivien und mit 3500 Metern höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Den ersten Teil der Reise mussten wir, meine drei amerikanischen Freundinnen und ich, auf Minihockern im Mittelgang des Busses verbringen, weil der Bus hoffnungslos überbucht war. Umsteigen in Copacabana in Bolivien (nicht zu verwechseln mit dem in Kuba) wo ich zufälligerweise direkt neben den beiden Südafrikanern Murray und Warwick saß, mit denen ich Wochen zuvor in Banos, Ecuador gefeiert hatte. Kaum zu glauben, aber eine glückliche Fügung, wie sich die nächsten Tage herausstellen sollte. In La Paz angekommen verrachte ich erstmal ein paar Tage in Ruhe, um meine Bronchitis loszuwerden, während die anderen bereits am nächsten Tag die Dead-Road-Tour absolvierten, die angeblich gefährlichste Downhill-Mountainbikestrecke der Welt. Jedermann war begeistert.
La Paz mit Quito zu vergleichen liegt aufgrund der Höhen- und geografischen Lage auf der Hand, beide sind weit oberhab des Zugspitzenniveaus angesiedelt (2800/3600 m) und haben eine Schlauchform, da sie in einem Hochtal liegen. Damit würde man aber keinem der Städte gerecht werden. Während Quito ein vergleichsweise gutes ÖPNV-System hat, überwiegend in Betonfarben erstrahlt und ein bemerkenswert großes Kolonialviertel aufweist, versinkt La Paz im Verkehrschaos, ist überwiegend in backsteinrot gehalten und hat kaum nennenswerte historische Gebäudebestände. Das ganze Stadtbild Quitos ist westlich-modern gehalten, es sind kaum Trachten zu sehen, was im kompletten Gegensatz zu La Paz steht, wo vor allem die Frauen überwiegend andische Kleidung tragen - und nicht selten ihre Babys auf dem Rücken. Die Sicherheitslage in La Paz ist wesentlich besser, während man im Nightlife nur auf andere Rucksackler trifft. Quitos Nachtleben hingegen ist da wesentlich heterogener, wenngleich grundsätzlich teurer.
In La Paz habe ich mit das bisher beste Essen gefunden, wenn man von der hervorragenden Verpflegung auf den Galapagosinseln absieht... und das ausgerechnet in einer englischen Kneipe. Schwer vorstellbar, aber wahr. Oliver's Travel war zugleich auch unser Ausgangspunkt für Clubs etc. und geendet haben diese Abende ausnahmslos im Vivian's, einem 24/7-Club ohne staatlich Zulassung, in dem das Gramm Kokain nur soviel kostet wie zwei Bier (ca. 10 USD). Ich hab trotzdem die Finger davon gelassen, während sich meine 3 Mädels "entjungfert" haben.

Am Montag, 16.7. war Stadtjubiläum und ich konnte riesige Militärparaden beobachten, die leider gelegentlich von herumrennenden Passanten gestört wurden, weil keiner daran gedacht hatte, Absperrungen aufzustellen. Bei strahlendem (und somit gefährlich strengem) Sonnenschein jubelten die Bolivianer ihrem scheinbar, wie ich aus einigen Gesprächen heraushören konnte, sehr populären Präsidenten zu, Am letzten Tag meines 8-tägigen La Paz Aufenthaltes bin ich auf den 5300 Meter hoch gelegenen Chacaltaya gefahren, wo wir einen 1stüdigen Anstieg auf den Gipfel zu absolvieren hatten. In dieser Höhe anstrengender als ein Hamburg-Wochenden mit den üblichen Verdächtigen.


Uyuni - Salar
Nach 8 Tagen in La Paz ging es im Nachtbus nach Uyuni zum mit 12000 km² größten Salzsee der Welt. Der Salar, gelegen auf ca. 4000 Höhenmetern, hüllt sich gerade nachts in eisige Kälte. Murray, Warwick und ich hatten zusammen mit James und Majam aus England eine Tour in einem Toyota Landcruiser. Zunächst besuchten wir einen Bahnfriedhof, auf dem verschiedene Dampflokomitiven vor sich hinrosten. Die Strecke hat ihre besten Zeiten, als noch mehr Kupfer abgebaut wurde, jedoch hinter sich. Personenzüge verkehren zweimal wöchentlich, Gütertransporte nur noch sporadisch. Neben einem inaktiven Vulkan, den in bienenkorbförmigen Mustern gehaltenen Salzplatten, riesigen Kakteen konnten wir auch einige Leichen aus der Pre-Inka-Zeit sehen. Diese wurden durch die extrem trockene und salzhaltige Luft bis zum heutigen Tage gut konserviert, wie man auf dem Foto erkennen kann. Traditionell bolivianisches Essen rundeten den Trip ab, wobei ich nicht ganz verstanden habe, warum der große Salzsee nicht verwendet wird, um das Essen etwas schmackhafter zu gestalten. Naja, so ein Lamasteak kann man auch jederzeit selbst nachsalzen. Übrigens haben die hier derzeit eine Mehlkrise, weil sie ihre Felder alle zum Kokaanbau verwenden und das Mehl importieren müssen. Auch die Geysiere etwas weiter im Süden sowie die ständig wechselnden Landschaften - totale einöde, Kakteen, Gestrüpp in unterschiedlichen Farbeffekten, je nach Tageszeit - sind für das mitteleuropäische Auge ungewohnt und versetzen die Reisegruppe immer wieder in Staunen.

Freitag, 13. Juli 2007

PERU: Chiclayo, Machu Picchu, Titicaca

An Schlaf war neben dem dicken und fortwährend blähenden Mann auf der 7stündigen Nachfahrt nach Piura, Peru nicht zu denken. Während ich mit den Aus- und Einreisemodalitätn beschäftigt war, machte er es sich auf meiner Jacke bequem...Piura war nicht der Weisheit letzter Schluß, was auch auf Chiclayo zutraf: diese Stadt ist zwar nicht schön, dafür aber unwahrscheinlich laut. Wenigstens konnte ich auf einem verwinkelten Markt lustwandeln, wo der "Fluch der Karibik" für USD 1,50 feilgeboten wurde. Apropos USD: von einem ATM in Quito habe ich ein 20USD-Blüte erhalten.Am 4.7. flog ich ins sehr schöne Cusco, wo ich die drei Amerikanischen Mädels wiedergetroffen habe, mit denen ich 4 Tage das Schiff auf Galapagos geteilt habe. Natürlich ist der Besuch der Inkastadt Machu Picchu ein Plichttermin für Perureisende, und für mich als Eisenbahnfreund war die 2stündige Anfahrt in einer alten Dieselgurke der Perurail nicht minder aufregend. Machu Picchu liegt auf ca. 2400 Metern eingebettet in einer Gipfelformation und ist die jüngste und zugleich besterhaltene Inkastadt der Welt. Erst im 20 Jahrhundert wurde die Stadt wiederentdeckt - der Grund, warum sie nach der spanischen Eroberung nicht zerstört wurde. Erst kürzlich wurde Machu Picchu zu einem der "Neuen 7 Weltwunder" gewählt, zu dessen Verkündung ich an den Feierlichkeiten in Cusco teilnehmen durfte. Ich persönlich hege jedoch meine Zweifel an der Berechtigung der Wahl (www.n7w.com), da nicht klar ist, wer hinter der Wahl steht. Zudem stellt sich mir die Frage, wer zum Handeln in eine Stadt in dieser abgeschiedenen Lage gekommen wäre. Ich jedenfalls nicht.In Puno am Titicaca, einem gigantischen Süßwassersee, der auf 3810 Metern teils in Peru, teils in Bolivien liegt und die 13fache Größe des Bodensees hat, hat es wieder mal geregnet und es war bitterkalt, als wir ankamen. Meiner Bronchitis hat das gar nicht gefallen. Der Besuch der Uros, die auf schwimmenden Schilfinseln *im* See leben, war interessant. Allerdings konnten auch die farbenfrohen Trachten und die freundliche Offenheit der Bewohner nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieses Völkchen heutzutage nur noch dem Tourismus zuliebe im See lebt. Auf der Insel waren nur sehr alte oder sehr junge Bewohner anzutreffen, da Teenager und Twens in Puno studieren oder arbeiten.

Sonntag, 1. Juli 2007

ECUADOR: Süden

Die bereits lange mit meiner Schulbekanntschaft Nadja geplante Ecuadorrundreise konnte also am 25.6. endlich beginnen, Silvia (ebenfalls aus Deutschland) leistete uns Gesellschaft. In der "Sierra", jene tektonische Gebirgskette, die sich von Norden nach Süden durch Ecuador zieht, hatte schon am ersten Tag eine Überraschung für uns parat: durch Erdrutsche war das kleine Touristendörfchen Banos nur über einen eineinhalbstündigen Fußmarsch mit sämtlichem Gepäck erreichbar. Wir entschieden uns kurzfristig zu einem Besuch des äußerst unattraktiven Städtchens Ambato. Einziger Höhepunkt war der Kauf billiger Lederjacken, was für sich spricht.Mehr Glück, vor allem mit dem Wetter, hatten wir beim Besuch von Cuenca, einer charmanten und vergleichsweise ruhigen Bezirkshauptstadt mit jeder Menge sehr gut erhaltenen kolonialen Bauten. Hier sind vor allem die zwei Kathedralen (catedral viejo, catedral nuevo) zu nennen. Hier haben sich aus Budget- und Sicherheitsfragen auch meine Pläne zum Besuch der Copa Americá in Venezuela zerschlagen. Besser so: Ecuador ohnehin ist mit 0 Punkten vorzeitig ausgeschieden. Ausgerechnet in Ceuna habe ich übrigens den ersten recht guten Elektro-Club gefunden, was gebührend zu feiern war.Die Mädels sind Richtung Ostküste weitergefahren, während mich mein Richtung Peru im Süden führte. Im eiskalten Saraguro fanden sich leider nur jede Menge Schnapsleichen in den Straßen, was keinesfalls zum Verweilen einlud. Auch Loja war an Langeweile nur schwer zu überbieten, was die Handvoll lokaler Studenten so nicht bestätigen wollte. Kein Wunder: sie kamen alle ursprünglich aus Zapatillo, das in meinem umfangreichen Reiseführer keinerlei Erwähnung fand. Auch in dieser Frage sind die Meinungen also relativ.